Bei einem Wellensittich handelt es sich nicht um ein Kuscheltier, sondern um ein Tier mit Fluchtinstinkten. Wer etwas zum kuscheln sucht, sollte sich lieber für eine Katze oder ein Zwergkaninchen entscheiden.

Wer unbedingt einen Wellensittich möchte, den man die ganze Zeit durch die Gegend tragen kann oder der mit am Essenstisch dabei sein muss, braucht hier nicht weiterlesen.

 

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Die zwei häufigsten Fragen, die ein Halter beim Kauf eines Wellensittichs hat, sind:

 

„Sind ihre Wellensittiche zahm???“ und nachdem wir dies verneint haben, kommt die zweite Frage „wie bekomme ich die Vögel zahm???“

 

Unsere Vögel müssen nicht zahm sein. Wir erfreuen uns auch nur beim zusehen an den bunte Gesellen. Was uns stört, ist ein panisches Rumgeflattere, sobald wir die Voliere betreten. Wem es genauso geht, für den ist dieser Artikel mit Sicherheit interessant.

 

Was nicht unerwähnt bleiben sollte, ist, dass jeder Wellensittich seinen eigenen Charakter hat. Es gibt Exemplare bei denen man nie das Vertrauen gewinnen kann. Bei diesen sollte man es einfach so hinnehmen und sich an dem wilden Treiben dieser quirligen Tiere erfreuen. Auch nur das Beobachten macht Spaß.

Ein weiteres Vorurteil, welches wir ausräumen möchten, ist, dass nur ein Welli in Einzelhaltung zahm werden kann. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr Wellis sich in einem Haufen befinden, umso neugieriger und mutiger werden die Kleinen, weil sie sich vieles von einander abschauen.

Kommen die Wellis in dem neuen Zuhause an, gerät ihre bisher bekannte Welt aus den Fugen. Sie verlassen ihren heimischen Schwarm und sind auf einmal die einzigen Wellis in dem Zimmer. Statt in einer großen Voliere, sitzen sie auf einmal in einem kleinen Käfig mit einer kleinen Tür, die zu einem Raum mit vielen neuen Gegenständen führt, die für uns Menschen ganz normal sind, wie z.B. Schränke, weiße kahle Wände, große Fenster, Spiegel usw. Auch die Federlosen sind ihnen total unbekannt, die mit ihrem großen Gesicht ständig vor dem Käfig kleben. Auch das gewohnte Gezwitscher ihrer Artgenossen fehlt ihnen. Es sind so viele neue Eindrücke, die diese kleinen Wesen auf einmal verarbeiten müssen. Das sollte man sich erst mal vor Augen halten, bevor man etwas von ihnen erwartet.

 

Wichtig ist jetzt erst mal, dass sie sich an die neue Umgebung und an die neuen Federlosen gewöhnen können. Dabei hilft ein leises und ruhiges Sprechen mit ihnen. Hektische und schnelle Bewegungen vor dem Käfig sollte man tunlichst vermeiden. Auch das Auswechseln der Futter- und Wasserbehälter sollte langsam und mit ruhiger Hand von statten gehen.

Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kann man jetzt dazu übergehen, dass Vertrauen seiner kleinen Lieblinge zu gewinnen.

Dabei ist eine Sache am aller aller wichtigsten ….Geduld…Geduld… und nochmals Geduld.

 

Wie gewinnt man am besten das Vertrauen seiner Tiere? Da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht…mit Belohnung und Leckerlis. Nicht das es falsch verstanden wird... auf keinen Fall die Tiere dazu Hungern lassen.

Mit Speck fängt man Mäuse und mit Kolbenhirse Wellis.

 

Als Begrüßungsgeschenk kann man beim Einzug ruhig Kolbenhirse mit in den Käfig legen. Aber danach sollte ein Halter sie nur aus der Hand füttern.

 

Nachdem die Kleinen sich an ihre neue Umgebung und die neuen Federlosen gewöhnt haben, beginnt nun der Prozess, Vertrauen zu gewinnen.

Wenn wir jetzt anfangen, uns dem Wellensittich zu nähern…bitte immer in einer Umgebung, in der der Vogel uns ausweichen kann, nie im Käfig/Voliere. Dort kann er nicht weg und bekommt unnötig Angst. Das bedeutet in den meisten Fällen Rückschritte statt Fortschritte.  

 

Am besten beginnt man damit, den Wellis die Hirse anzubieten, in dem man sie einfach mit den Fingern festhält, wie eine natürliche Verlängerung der Hand. In der Anfangszeit nähert man  sich ganz langsam mit der Hirse dem Wellensittich und beobachtet ihn genau dabei.  

Wird er unruhig und möchte flüchten, dann war das Ganze zu schnell und zu hektisch. Bei mehreren Tieren pickt man sich den mutigsten raus und fängt mit diesem an…die anderen ziehen dann in der Regel schnell nach.

 

Naschen die Wellis nach einiger Zeit wie selbstverständlich von der Hirse, kann es mit dem nächsten Schritt losgehen. Man verkürzt die Hirse indem man sie immer einStückchen mehr in die Hand nimmt,  

bis sie am Ende auf der flachen Hand liegt.  

Fressen sie dann die Hirse von der Hand

ist es Zeit für den nächsten Schritt.Während sie an der Hirse knuspern, geht man mit der Hand ein kleines Stückchen von dem Vogel weg, damit er schwerer an die Hirse kommt. Macht er weiter Anstalten, an die Hirse zu kommen, wird es nicht lange dauern und er steigt auf die Hand. Geht er weg, ist er vielleicht noch nicht so weit und man sollte ihn dann einfach noch etwas Zeit lassen und Geduld haben. Zeit und Geduld ist eh ein ganz wichtiger Faktor. Bei dem einen Tier dauert es nur ein paar Tage und schon hüpfen sie einem auf die Hand. Bei anderen kann es mehrere Wochen dauern. Da heißt es dann nicht aufgeben, sondern dran bleiben.

 

Sobald dieTiere zum Hirse mampfen auf der Hand sitzen, sind sie zumindest futterzahm und beweisen euch, dass sie vor der Hand keine Angst haben.  

Jetzt beginnt der nächste Schritt. Die Wellis sollen auf den Finger kommen, ohne dass ich Hirse in der Hand halte (dies wird nicht bei allen gelingen). Haltet zu Anfang die Hirse nicht mehr auf der flachen Hand, sondern zwischen Daumen und Zeigefinger fest .

Eure Wellis müssen dann auf den Zeigfinger steigen um an die Hirse zu kommen. Haben sie dies verstanden, lasst sie nur ein zwei Körner picken und setzt sie dann wieder auf einen Ast.  

 

Könnt ihr sie immer wieder zurücksetzen und sie kommen immer wieder auf den Zeigefinger, nehmt die Hirse in die andere Hand (nicht sichtbar für die Tiere). Haltet ihnen nun nur den Finger hin. Kommt das Tier freiwillig auf den Finger, wird es mit Hirse belohnt…auch wieder nur 1-2Körnchen.  

 

Dies müsst ihr so oft es geht wiederholen und eure Wellis werden euch das nötige Vertrauen entgegen bringen und dann auch irgendwann ganz ohne Futter zu euch kommen.

 

Eins möchten wir noch dazu sagen: Dies erfordert jede Menge Geduld und wer danach nicht am Ball bleibt, wird merken, dass er wieder um einige Schritte zurückgeworfen wird.

 

Viel Erfolg!!!! 

 

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